19.08.08 von Oslo nach Soldal

Um halb fünf Uhr früh erfolgt der erste Knopfdruck auf die Fernbedienung um uns die Live-Cam-Bilder der Fantasy zu zeigen. Ein ruhiger Wellengang und seitlich langsam aufgehende Sonne empfangen uns. Gegen 5 Uhr kann ich dann doch nicht mehr warten und mache mich bewaffnet mit dem Fotoapperat auf den Weg zum Sonnendeck. Dort schaut bereits ein junges Pärchen ebenfalls nach den ersten Sonnenstrahlen und erzählt bei recht aufgeputschter Stimmung, dass sie sich erst auf der Fahrt kennengelernt haben und erst gar nicht ins Bett gegangen sind. Schon lustig die Zwei, zumal er nahezu liebesbetrunken zu sein scheint. Ob die beiden den Kontakt halten werden, wird man wohl nie erfahren.

Mr. O kommt gegen 6 Uhr frisch geduscht dazu und muss leider mit ansehen, dass die Sonne durch beeindruckende Wolken vom berühmten Fotomotiv abgehalten wird.



Echt schade, aber für uns ist es schon toll genug eine solche Aussicht bei recht warmen Temperaturen erleben zu dürfen.

Da es um 7Uhr Frühstück geben soll, gehe ich mich nun auch frisch machen, während Mr. O die neusten Nachrichten über Olympia und die 10.Gold Medaille im Fernsehen anschaut. Wir beschließen 5 min vor Frühstücksbeginn im Grand Salon zu sein, um zumindest halbwegs den wahrscheinlich schon nervösen älteren Gästen auf diesem Schiff zu entgehen. Wie bisher alles andere, so wird auch das Frühstücksbuffet erst Punkt 7 Uhr geöffnet und erstaunt stellen wir fest, dass man wohl doch reservieren konnte. Dies zwar nicht für einen expliziten Tisch aber die Bezahlung war damit bereits erledigt. Mr. O zieht spontan die gewonnenen 200NOK heraus und signalisiert damit unsere Reservierung. Nachdem der Kassentyp eine komische Art der Abkassierung der Kunden vollzieht, werden wir doch noch unser Geld los und finden ein schönes Plätzchen am Fenster.

Man mag es kaum glauben, aber kurze Zeit später fährt tatsächlich eine an der Außenwand montierte Waschanlage am Fenster vorbei und putzt einmal ordentlich durch. Kein Wunder also, dass die Schiffe immer wie geleckt aussehen. Nachdem die Fenster wieder halbwegs abgetrocknet und durchschaubar sind, offenbart sich leider eine riesige Nebelfront vor dem Oslofjord, die uns bis Oslo begleiten wird.

Beim Frühstück verliert sich die Menge an Leuten, die zum Buffet stürmen recht gut, zumal alles mehrfach aufgebaut ist und keine großen Schlangen entstehen. Neben Eiern aller Art (sogar weich gekocht) gibt es alles mögliche an Fisch, Gemüse, Obst, Wurst, Käse, Müsli und Brötchen. Letztendlich ist Mr. O aber der Kaffee zu wässrig und der Saft irgendwie komisch. Eins sollte klar sein, für 12Euro isst hier keiner genug, aber was soll es wir haben es ja gewonnen.

Nach dem Frühstück geht’s wieder in die Motorradklamotten und rauf aufs Deck um zumindest halbwegs in den Nebelschwaden etwas zu erkennen. Zeitweise bricht der Himmel sogar auf und offenbart die ersten größeren Häusersiedlungen. Es dauert nicht lange und das Schiff schlängelt sich durch die vielen Inseln mit schroffen Felsstrukturen und kleinen Häusern, wobei zu jedem ein Boot und Anlegesteg zu gehören scheint.


Wir packen nun unsere restlichen sieben Sachen und machen uns auf den Weg zu den Bikes. Es erweist sich als praktisch auf Deck 11 eine Kabine gehabt zu haben, denn sobald der Fahrstuhl runterwärts voll ist, passt keiner sonst mehr rein. Angehalten wird man dennoch und grins alle freundlich an. Unseren Bikes geht es offensichtlich gut. Wir machen also die Gurte wieder los und packen die Koffer, sowie Mr. Os Packrolle wieder aufs Bike.

Kaum fertig sind hinter uns die Autos auch schon verschwunden, sodass wir entgegen der ursprünglichen Richtung die Rampe nehmen können. Alle anderen Biker sind sichtlich aufgeregt so ist es auch nicht verwunderlich, dass jeder nach der Ausfahrt noch ein Bild vom riesigen Bug des Schiffes machen muss.



Nachdem wir uns soweit wieder auf die Räder gepackt haben, staut sich vor uns die Zollkontrolle. Lustigerweise heißt das hier „Toll“. So wie es scheint waren sie gerade beschäftigt 2 Autos zu filzen. Nun ging es schnell auf die E6, welche ja bekanntlich bis ans Nordkap reicht und dementsprechend gut frequentiert ist, denn guter Ausbau macht auch 100km/h möglich. Somit kommen wir zügig aus Oslo heraus, vorbei an einem modernen Bau, den ich als das berühmte Operngebäude wieder erkannte. Mr. O fiel das Gebäude hingegen nicht sonderlich auf. Nach etlichen Kilometern geht es auf die Nebenstrecke 33 mit einer straßentechnisch sehr schön geschwungenen Landschaft entlang des größten Sees Norwegens „Mjøsensee“. So fühlt man sich richtig willkommen als Biker.

Irgendwann ist die Strecke dann aber doch mal zu Ende und alle Straßen führen nach Rom – na ja wohl eher nach Lillehammer. Mehrfach wird auf die Olympischen Spiele verwiesen und die Sprungschanze ist bei bestem Wetter schon von weitem sichtbar. Ich beschließe kurzer Hand die Schanze zu besichtigen, finde aber leider nicht den richtigen Weg. Mr. O versucht etwas nachzuhelfen, aber so richtig gut ausgeschildert ist es nicht. Vor allem, wenn man, so wie ich, Olympiaparken mit einem Parkplatz verbindet und keinem Park. Wir irren etwas herum, verlieren uns in den kleinen hoffnungsvollen Straßen sogar einmal und finden sie tatsächlich doch noch. Eine gut geteerte Straße führt direkt bis zu den Schanzen, wo sich neben uns noch mindestens so viele andere Deutsche wie Norweger wieder finden.



Von beiden Schanzen springen gerade die Nachwuchstalente Norwegens, was recht beeindruckend ist angesichts der Weiten, welche die Youngsters hinlegen.



Da wir aber doch mal langsam ankommen wollen, geht es bis Ringebu wieder auf die E6 und nach einem kleinen Verfahrer, da ich Mr. Os Roadmap nicht folge geleistet habe, auf die 27 in die etwas schottisch anmutende Berglandschaft. Entgegen sämtlicher Karten und Internetvoraussagen wimmelt es hier nur so an Campingplätzen.



Die Straße windet sich wunderschön entlang der Berge und neben dem ersten kleinen Wasserfall sieht man auch den Fluss „Ätna“, welcher ständig in der Nähe der Straße verläuft.. Etwas aufpassen sollte man hier oben allerdings bzgl. der Kühe und Schafe.



Vor allem letztere laufen mit Glöckchen um den Hals in Scharen an und auf der Straße und schauen auch gerne mal vorwurfsvoll drein, wenn man diese lustigen Gesellen auf einem Foto verewigen möchte.



So langsam halten wir mal nach einer Camping-Möglichkeit , zumal es bereits 16:00Uhr geworden ist. Erste Überlegungen einfach in dieser kargen und zum Teil schroffen Landschaft zu zelten, verwerfen wir, da es bei Sonnenschein dennoch nur 13°C sind. Nachts wird es bestimmt nicht wärmer werden. Kurze Zeit später – wir denken im Dorf „Enden“ liegt ruhig gelegen ein kleiner Campingplatz an der Straße, den wir kurzerhand zu unserem Etappenziel erklären.



Wir bauen etwas umständlich das Zelt auf und machen uns etwas Brühe. Dazu gibt es frisches Brot und Pik-Salami. Noch schnell etwas Tee für die Abendstunden gekocht und dann gibt es dank der kleinen Mückenplage auch schon ins Zelt. Mr. O ist total groggy und schläft ein, während ich hier ein paar Zeilen verfasse.



Aileen


P.S.:
Eine letzte Sache hätte ich beinahe vergessen:
Nachdem wir auf dem Schiff ja schon die hohen Preise kennenlernen konnten, haben wir nun auch Supermarkterfahrungen sammeln können.
Fazit: Es ist leider wirklich recht teuer. Für 3 Flaschen Wasser und ein Brot (Fjellbrød) haben wir satte 10Euro geblecht. Das Brot war mit 1,20Euro vergleichsweise günstig. Unser Frühstück ist somit gesichert. Dank ein paar reisetauglichen Nutokka-Packungen vom Frühstücksbuffet habe ich sogar was Süßes zum draufschmieren. Nun bin auch ich müde und verziehe mich in den Schlafsack.

19.8.08 12:15

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