20.08.2008 von Soldal bis Tingvoll

Heute Morgen hat es leicht zu regnen angefangen, sodass das neue Zelt eine erste kleine Taufe überstehen musste. Aber wie sich rausstellte ist alles keine Problem, selbst den Tee kann man wunderbar im Vorzelt kochen. Mr. O hatte heute Nacht wohl sehr wilde Träume denn ich habe ihn noch nie mit solch angeschwollenen Augen gesehen. Das linke Auge scheint auch eher eine Allergie auf irgendwas zu sein, denn es ist erst im Laufe des Tages abgeklungen.

Der Abbau des Zeltes und das Bepacken der Bikes klappt ohne Probleme. Auch die Straßenverhältnisse waren noch gut zu fahren trotz Nieselregen.

Nach kürzester Zeit trafen wir wieder ein paar Schafe und zur Abwechslung auch Ziegen. Das Bergland zeigte sich im Rondane Nationalpark einzigartig. Von einem extra geschaffenen Aussichtspunkt hat man einen tollen Blick auf die vielen Berge, wovon „Hogrondere“ mit 2.174m einer der höchsten ist.




Weiter geht es auf der 27 mit wenig Verkehr und karger Landschaft bis nach Foldal.

Ich war mittlerweile froh nicht einen anderen Campingplatz aufgesucht haben, denn die folgenden waren bei weiten nicht so schön am Fluss gelegen. In Foldal entdeckte Mr. O ein aus dem Motorradbuch bekanntes Gebäude, welches wir sogleich näher betrachten.



Es handelt sich um ein altes Überbleibsel eines Bergwerkes, welche noch bis 1996 aktiv genutzt wurde. Das ebenfalls dort befindliche Bergmuseum lassen wir aber lieber unbesucht, zumal es alles etwas trostlos aussieht. Weiter geht es nach Oppdal über die 29, welche wie schon die 27 sowohl straßentechnisch als auch landschaftlich sehr sehenswert sind.

In Oppdal muss dann auch ich mal tanken, wobei wir die Gelegenheit nutzen im benachbarten Kiwi-Markt unser Abendbrot zu besorgen. In Oppdal zweigt dann auch schon die 70 nach Sunndalsøra ab. Entgegen dem vom Bikerpärchen vorausgesagten Kälteeinbruch bricht hier der Himmel auf und das sogenannte Sonnental zeigt sich seinem Namen gerecht.



Riesige Berge lassen die Straße durch ihre Täler winden und lassen uns ins schwärmen geraten. Von den höchsten Bergen fallen Wasserfälle ins Tal, sodass man sich schon fragen muss, woher das viele Wasser eigentlich kommt. Die wenigen Schneefelder werden dies wohl kaum so massenhaft abgeben.



Kurz vor Gjøra gibt es einen sehr idyllisch gelegenen Campingplatz mit Wasserfall. Schade eigentlich, dass wir heute ein anderes Ziel haben. Sunndalsøra ist die erste große Stadt, zumindest sagt dies das Eingangsschild. Die Stadt zieht sich recht lang hin und überall sind Läden und Souvenirshops. Nach einer ganzen Weile offenbart sich aber das Wahre Wunder dieser Stadt, nämlich der Sunndalsørafjord, welcher zumindest mir den Atem verschlägt, wenn man bedenkt, dass am Ufer steile Berge emporsteigen.

Die Straße verläuft nun entlang des Ufers und windet sich wieder wie eine Schlange. Natürlich muss einer der Berge irgendwann doch mal im Weg stehen und so fahren wir in den ersten von drei Tunneln, welche allesamt aus dem Stein geschlagen sind. Am liebsten würde ich anhalten, um ein Foto zu machen, aber leider gibt es nirgends eine Haltebucht. Lediglich ein paar Notruftelefone zeigen allein die Nothaltemöglichkeiten. An der Decke befinden sich durchgängig Lampen, aber hell wird es auch mit dem Licht des Bikes nicht wirklich. Also orientiert man sich an den Barben und versucht sich nicht so sehr von Felsgestein ablenken zu lassen.

Man bekommt den Eindruck als würde man so langsam aber sicher auf die großen Fjorde vorbereitet werden, denn die Route führt ständig entlang des Wassers um nach kurzer Abstinenz den nächsten Fjord „Alvundfjord“ zu bieten. Es ist mittlerweile 16:00Uhr, sodass ich langsam Sorge habe überhaupt noch die steinzeitlichen Höhlenmalereien zu erblicken. Doch schneller als gedacht erreichen wir Tingvoll und nicht ein Schild weißt auf die sogenannten „Hellemaling“ hin. Wir suchen also den gut ausgeschilderten Campingplatz auf und freuen uns, dass dieser direkt am Wasser liegt.

Der erste Eindruck ist, dass hier nur Campingwagen stehen, die umfangreich zu Ferienwohnungen mit Terrasse ausgebaut wurden. Auf einer Karte können wir aber dann doch neben dem vielen Norwegischem entziffern, dass die Zelte direkt am Wasser aufgestellt werden können, was wir auch sofort in Angriff nehmen.

Dieses Mal müssen wir das Zelt einer kleinen Windprobe aussetzen, da es am Wasser leider nicht ganz so windgeschützt ist, wie erhofft. Da wir zum Glück einen kleinen Hammer dabei haben, lässt sich das Zelt sicher im Boden befestigen.



Zwischenzeitlich kommt dann auch der Platzwart um seine 100NOK in Empfang zu nehmen und nebenbei zu berichten, dass es in Kristiansund morgen regnen soll. Da wir hier nur eine Stunde entfernt sind, würde es wohl auch hier regnen. Nach einem kurzen Blick auf den strahlendblauen Himmel können wir das kaum glauben. Der Platzwart bietet uns an die Gemeinschaftshütte zum Essen zu nutzen und später ein Feuer zu machen, was wir aber dankend ablehnen, schließlich ist die Abendsonne ein Muss zum Genießen und draußen sitzen.



Mit dem Campingkocher zaubere ich sogut es eben geht Nudeln mit Barilla Bollognese (ja die gibt es hier sogar fast preisgleich), welche wir uns dann auch schmecken lassen, wobei wir feststellen, dass das WMF Besteck nicht wirklich gut funktioniert. Aber was solls, wir haben es nun dabei und somit wird es auch genutzt.



Ein kleiner Gang zum Waschhaus offenbart, dass es doch warmes Wasser gegeben hätte, aber das ist nun auch egal. Der Wind hat nun abgeflaut, sodass wir uns noch etwas ans Wasser setzen und feststellen, dass es merklich zurückgegangen ist. Es scheint hier also doch spürbar Ebbe und Flut zu geben. Das Gemeinschaftshaus hat im Februar dieses Jahres wohl auch seine erste Springflut erlebt, zumal dies Bilder recht gut veranschaulichen.

Dieser Tingvoll Campingplatz ist offensichtlich ein häufiges Ziel von Deutschen, denn überall haben sie ihre Wohnwagen abgestellt oder Hütten gemietet, Nur ein weiteres deutsches Paar hat ebenfalls das Zelt aufgebaut und uns die Sitzbank geklaut, aber wir wissen uns ja auch zu helfen.

Mr. O liegt wieder mega groggy neben mir, währenddessen ich versuche im letzten Abendlicht meine eigenen geschriebenen Buchstaben zu entziffern.

20.8.08 12:46

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