21.08.2008 von Tingvoll nach Andalsnes

Heute hat es wieder den bereits bekannten Nieselregen gegeben, allerdings nur recht kurz, sodass die Sonne durch kleine Löcher in den dunklen Wolken doch noch das Zelt trocknen konnte. So sehr wir es auch versuchen, aber wieder schaffen wir es nicht vor halb elf loszukommen. Ist aber eigentlich nicht so schlimm, denn wir haben genug Zeit. Etwas getäuscht vom anscheinend gut werdenden Wetter lassen wir die Regenkombis aus und fahren natürlich kurz hinter Tingvoll in den ersten kleinen Regen. Da wir von weitem bereits weitaus dunklere Regenwolken sehen, halten wir an der bestmöglichen Stelle an und ziehen die Kombis lieber doch an. Es dauert keine 2 km und es fängt an zu prasseln, wobei die Handschuhe tatsächlich halten, was sie versprechen und dicht sind. In Kristiansund meldet sich Mr. Os Tank und wir halten an einer unbemannten Tankstelle. Hier muss man vor dem Tanken seine Visacard zücken und die Zapfsäule auswählen. Es ist alles auf norwegisch geschrieben, sodass wir etwas Zeit brauchen, um dieses System zu verstehen. Letztendlich klappt es doch, sodass wir uns auf die Suche nach einer Bank machen, was ebenso schnell erledigt ist.

Nach Mr. Os Roadmap soll es nun so langsam auf die 64 gehen, doch ist sie nirgends zu sehen. Auf Nachfrage bei einem Taxifahrer werden wir aufgeklärt, dass es nur die Fähre als direkten Weg zur Atlantikküstenstraße gibt oder auf halber Strecke zurück über Molde ein Weg ohne Fähre führt. Wir folgen also den Wegweisern und landen am kleinen Fährterminal. Schon nach 5min ist die Fähre zu sehen, welche sich recht schnell auf das Terminal zu bewegte.

Nach einem kurzen Entladevorgang fahren wir, angewiesen vom Fährpersonal, auf die Fähre. Das Fährpersonal weist und darauf hin, dass es zu verstärkten Wellengang kommen kann, und wir deshalb auf den Bikes sitzen bleiben sollen.

Leider wird uns mit dieser Aufforderung gleichzeitig die Chance genommen etwas zu sehen. Man kann nur durch die Bullauge vermuten wie schnell wir fahren und das es tatsächlich Wellengang gibt.



Das dort entstandene Fahrgefühl könnte man auch mit der Landung der Alliierten in der Normandie vergleichen, nur dass uns sehr viel mehr Platz gelassen wird und das Ziel keinen Beschuss zur Folge hat.



Am anderen Ufer angekommen geht es auf der 64 gut ausgeschildert zu den „Atlanterhavsveien“ und siehe da, der Himmel reißt etwas auf, sodass wir trocken die inselverbindende Straße genießen können.



Vor allem ein Brückenbauwerk ist hier sehr imposant, da es in geschwungenen Verlauf zu einer ordentlichen Höhe hinaufgeht, um den Schiffen Durchfahrt zu bieten. Es ist also nicht verwunderlich, dass wir hier für ein Foto anhalten.




Abgehend von der 64 geht es weiter auf die 663, welche mich persönlich fast genauso beeindruckt. In einem saftigen Grün stehen typisch norwegische Höfe neben steil aufragenden Bergen.



Einfach nur schön. Nachdem wir wohl genug mit schönem Wetter ausgestattet waren, erwartet uns in Molde der nächste Regen, welchen wir mit Einfahrt in den dortigen Tunnel zumindest etwas entfliehen können. Leider hört es auch nach dem Verlassen des Tunnels nicht wirklich auf, aber zum Glück bleibt zumindest der Fahrspaß weiterhin erhalten.

In Sølsnes kommen wir zur zweiten Fährfahrt heute, jedoch sehen wir die Fähre gerade wegfahren. Schätzungsweise 40min müssen wir warten, bis sie wieder zurück ist. Die Zeit vergeht dann aber doch recht zügig, da wir von einem Norweger angesprochen werden, der uns erzählt, dass nach den bisher 3 Wochen Regen ja eigentlich mal wieder gutes Wetter kommen sollte. Zumindest ich bin optimistisch, während Mr. O. schon geschworen hat nie wieder mit dem Motorrad nach Norwegen zu fahren. Zwei Holländer treffen wir ebenfalls an dieser Fähre wieder, welche erzählen, dass sie eben die letzten 3 Wochen in Norwegen waren und auch bis ans Nordkap gefahren sind, was aber weniger gut war zumal ständig Maut gezahlt werden muss und der nördlichste Punkt an sich nicht gerade schön war, da es außer schlechtem Wetter nichts besonderes zu sehen gab.



Die Fähre ist zwischenzeitlich eingetroffen und wir werden mit rasenden Pan-America-Fahrern auf die oberen Decks der Fähre gelotst.

Erste Befürchtungen wieder eine Landungsfahrt zu unternehmen, erweisen sich zum Glück als falsch, denn die oberen Decks haben große Öffnungen zum rausschauen.



Die Überfahrt geht recht schnell und so satteln wir wieder die Pferdestärken um bei gerade herrschender Regenpause die letzten 30km zu fahren. Mit dem Übersetzen an das andere Ufer wird man quasi in die steilen Vorboten der Berglandschaft herangeführt. Unser Weg führt entlang des Andalsnesfjord umringt von gut 1000m hohen Bergen mit eben solchen Steilwänden in eine kleine U-förmige Ausbuchtung nach Andalsnes. Von den Bergen verlaufen auch hier hunderte von Meter langer Wasserfälle, welche recht klein aussehen dafür, dass es so regnet.

In Andalsnes angekommen brauchen wir etwas, bis das Wanderheim gefunden ist, kommen dann aber gegen 16:00Uhr an.



Das Heim ist einfach und ordentlich mit Gemeinschaftsküche und -bad. An Mr. O. nagen erste Zweifel ob die Entscheidung hierher zu fahren richtig war, aber angesichts eines festen Bettes und einer Dusche verflüchtigen sich diese Gedanken. Wir fahren schnell zum nahe gelegenen Kiwi-Markt und besorgen und einen Kartoffel-Brokkoli—Irgendwas Mix mit Joghurt zum Nachtisch. Zum Trinken gibt es zur Abwechslung mal „brus“ mit „poeresmak und „ananassmak“. Bei letzterem erahnen wir schon namentlich, was es sein soll, bei dem anderen sind wir auch nach dem Trinken nicht schlauer, außer das es verdammt süß ist. Zum kleinen Schlemmen hat sich Mr. O. Chips und ich Nusstrauben-Schokolade mitgenommen. Wobei hier noch zu sagen ist, dass neben Alkohol auch Schokolade richtig teuer ist. Nachdem wir das Wetter am Aushang checked haben und uns wohl morgen wieder Regen erwartet, liegt Mr. O., wie sollte es anders sein, im Bett und schnarcht. Dabei ist es erst 20:10Uhr. Seine Schulter ist immer noch an Schmerzen und die Mückenstiche haben sich als allergisch reagierend erwiesen, denn die Füße und Hände sind durch recht große Beulen verziert. Mal sehen ob Fenistil da etwas ausrichten kann.

Aileen


P.S.: Eine Sache habe ich noch vergessen. Kurz vor Kristiansund haben wir zum ersten Mal Maut bezahlt – immerhin 39NOK/Person.



Als Entschädigung führen wir dann den 2,6km langen Freifjordtunnelen. Eine weitere Mautstelle kurz vor Molde konnten wir kostenfrei mit extra kleiner Motorradwegweisung passieren.

21.8.08 12:56

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