22.08.2008 von Andalsnes nach Geiranger

Heute Morgen wachen wir nach einer geruhsamen Nacht trotz vollbesetzter Jugendherberge auf und unser erster Blick aus dem Fenster offenbart, dass es nachts wieder geregnet hat.




Die Straßen trocknen aber trotz bedecktem Himmel bereits ab, sodass wir frohen Mutes sind trocken nach Geiranger zu kommen. Mr. O. tauft Norwegen mittlerweile „Nur-Regen“, wobei ich das nicht wirklich so sehe. Gegen 8:00Uhr gehen wir zum Frühstück, welches wirklich sehr reichhaltig von Müsli über Marmeladen, Wurst & Käse bis hin zu Fisch kaum Wünsche offen lässt. Richtig toll finde ich natürlich, dass es hier heiße Schokolade gibt – mmmmmh lecker. Einzig die Eier sind etwas zu hart und schmecken alt. Gestärkt machen wir uns nun ans Motorrad packen und sieje da, wir schaffen es schon um 9:15Uhr vom Hof zu fahren. Sicherheitshalber und auf Grund der zu erwartenden Kälte ziehen wir lieber die Regenkombies an.

Auf dem Weg zu den Trollstigen erwarten und schon recht früh die ersten lustig aussehenden Trolle, wobei sich so mancher Norweger wohl nicht ganz entscheiden kann, ob diese groß oder klein sind. Angesichts der Gefährlichkeit, würde ich sie ja recht groß einschätzen aber meistens sind hier nur kleine am Wegesrande oder vor den Rezeptionen der Campingplätze zu sehen.




Die Trollstigen sind erst einmal durch Nebel recht versteckt, doch schnell offenbaren sich die ersten Steilkurven, wie man sich das nie hätte träumen lassen.



Ein auf den ersten Blick seitlich herabfallender Wasserfall scheint beim Näherkommen geradewegs au die Straße zu fallen, wäre dort nicht ein Brücke gebaut worden.



Dort steht dann auch dass es sich um die „Stigmabruen“ handelt. Wir machen eine Menge Fotos vom Haltepunkt direkt neben der Brücke, da von hier die wirklich wundersam kurvig verlaufende Straße gut einzusehen ist.



Die eben noch folgenden Wohnwagen haben zum Glück einen Halteplatz weiter unten gesucht, sodass wir etwas länger pausieren können. 5min später überrascht uns aber dann doch ein Reisebus, der sich promt vor uns setzt. Wir beschließen also noch etwas zu warten, um dann den weiteren Aufstieg anzutreten.



Kurz hinter dem Wasserfall fahren wir in Nieselregen, was wahrscheinlich durch die Gischt des Wasserfalls kommt. Das Fahren wird dadurch aber weniger beeinflusst, als durch die 180°-Haarnadelkurven. Da ist nichts mit schnell fahren, eher den 1.Gang reinhauen und Kupplung sanft kommen lassen, in der Hoffnung dass nicht doch noch jemand von oben runter geschossen kommt.

Auf dem höchsten Punkt der Trollstgen angekommen offenbart sich eine riesige Baustelle, welche kaum zum Anhalten einlädt.



Da die Sicht ins Tal durch starken Nebel sowieso verdeckt ist, bitte ich Mr. O. etwas zu warten, damit ich ein paar Fotos beim Fahren von ihm machen kann.



Leider habe ich dabei vergessen ein paar Trolle zu fotografieren, aber diese stehen in den touristischen Hochburgen ja sowieso an jeder Ecke.

Hier oben wird es merklich kälter und uns begleitet häufig Nieselregen. Die Straße wechselt deshalb ständig zwischen trocken und feucht, was langsameres fahren erfordert. Da man in ganz Norwegen ab sowieso die meiste Zeit damit beschäftigt ist die Landschaft anzuschauen, stört das kaum.



Nach recht lang gezogener Abfahrt von den Trollstigen landen wir in Valldal und erreichen den Nordalsfjord, wo uns sehr sauberes Wasser erwartet.



Kurze Zeit später in Linge, erwartet uns wieder eine kleine Fährfahrt, wobei die Wartezeiten hier recht kurz sind, da zwei Fähren fahren.



Leider kann man von der Fähre aus wieder nur wenig sehen, da die Wände einfach zu hoch sind.



Es besteht aber die Möglichkeit weiter nach oben zu gehen, doch halten wir es für besser bei den Motorrädern zu bleiben.



Am anderen Ufer – in Eisdal – machen wir ein kleines Päuschen, um die letzten 30km nach Geiranger in Ruhe anzutreten.



Wir sind eigentlich viel zu früh da, aber das erweist sich für die gemietete Hütte als vorteilhaft. Die Straße 63 führt von Eisdal längere Zeit in sanften Kurven über das Bergland, bis auf einmal wieder Spitzkehren beginnen, welche einen kleinen Nachgeschmack der Trollstigen haben.



Von einem der höchsten Punkte taucht Geiranger plötzlich auf und, wie sollte es anders sein, es liegen zwei Kreuzfahrtschiffe vor dem Dorf. Von einer später kommenden Aussichtsplattform lässt sich ein grandioser Blick auf den Geirangerfjord werfen. Kurz gesagt „Einmalig“.



Wieder viele Spitzkehren führen uns nach Øhrevegen wo ein sehr schön gelegener Campingplatz ist. Da wir aber bereits in „Fossen Camping“ reserviert haben, schauen wir uns diesen vorab an. Wie der Name schon sagt liegt das Hüttencamp an einem Wasserfall über Geiranger. Ganz nett ist es zwar, aber nicht so schön wie der eben gesehene Campingplatz. Auch der Fjellcampingplatz kann damit nicht mithalten. Wir fahren also zurück an den Beginn der Spitzkehren und glücklicherweise gibt es eine kleine „cabin“ für uns. Zwar nicht ganz billig aber mit tollem Blick auf das Wasser des Fjordes. Mr. O sagt zwar später des Öfteren, wir hätten auch zelten können, da der Himmel immer blauer wird, aber etwas Luxus, sofern man das so nennen kann, muss sein.

Nachdem die Hütte erst um 14:00Uhr für uns bereit steht packen wir lediglich unsere Taschen auf die kleine Veranda und fahren zu einer Besichtigungstour nach Geiranger.



Das Örtchen ist touristisch ohne Ende! Tankstellen und Einkaufsläden stehen zu Souvenirläden im Verhältnis 1:9.



Dennoch schauen auch wir mal in die Mitbringselläden, aber so richtig finden wir nichts für jene Daheim Gebliebenen.

Ein kleines Häuschen sticht besonders hervor, denn hier wird gleich von weitem darauf hingewiesen, dass in seinem Inneren absolut "Trollfreie Zone" ist. Kein Wunder, denn sonst würde das kleine Atelier wohl ständig überlaufen und geflüchtet zugleich werden, obwohl ich mir das auf der schmalen Treppe lustig vorstelle.




Im einzigen Lebensmittelladen kaufen wir für nahezu gleiche Preise wie in Deutschland etwas für das Abendbrot und lassen uns in der angehängten Bäckerei frische Waffeln schmecken.

Während des Essens haben wir einen guten Blick auf das bunte Treiben der Kreuzfahrer, die mit kleinen Booten ständig ans Ufer chauffiert werden. Für die Hurtigroutenschiffe gibt es sogar eine Art Fjordfähre, die sowohl neue Gäste ans Schiff bringt, als auch welche von dort ans Land bringt. Mit Abfahrt des Hurtigroutenschiffes beginnt ein wahres Signalhornorchester, da sowohl die drei langen Töne erklingen als auch deren Echo und die der anderen beiden Schiffe.



Die Fähre nach Hellesylt kann man ebenfalls gut beobachten, da sie aller 1,5h an- und ablegt.

Wir fahren zurück zu unserem Campingplatz wo wir nun unseren Hüttenschlüssel bekommen. Bei schöner Nachmittagssonne spielen wir etwas Phase 10, wobei Mr. O raffiniert gewinnt. Nach dem Spiel wollen wir unser Abendessen vorbereiten, doch plagt uns schlechtes Gewissen mit dem soeben erstandenen Camping-Einmalgrill direkt auf dem Boden zu grillen, da es auf einem Zettel in der Hütte ausdrücklich verboten ist.

Wir leihen uns deshalb lieber einen Grill bei der Rezeption, welcher ziemlich eklig ist, da neben Holzkohle auch Fischreste und nicht identifizierbare Substanzen im Grill liegen. Wir machen ihn also doch lieber halbwegs sauber und stellen den Einmalgrill aufs Küchenrost.



Der Grill funktioniert recht gut, sodass wir nach 20min Fleisch, Brot und Würstchen „Grillpølser“ auflegen können. Zusammen mit einem Sommersalat lassen wir uns das Gegrillte bei mittlerweile besten Wetter und toller Aussicht, selbst auf den Dalsnibba, schmecken.



Ein paar Mecklenburger kommen währenddessen vom Angeln zurück und zeigen stolz ihren gut 74cm langen Fisch. Ist schon ein riesiger Batzen! Wir fragten uns allerdings, wer das alles essen soll, vor Allem weil der Jungspund ständig die Angel ins Wasser hält um erneut etwas zu fangen. Zwei Kieler mit Motorboot kommen ebenfalls erfolgreich vom fischen zurück und angeln auch später noch weiter, was ebenfalls wieder zu erneuten Erfolgen führt, Wir fragen uns indes, ob die wohl jeden Tag Fisch essen.

Es ziehen mittlerweile wieder ein paar Wolken auf, aber wenn man dem Platzwart Glauben schenkt, erwartet uns morgen bestes Wetter.

Aileen


P.S.:
Mal wieder habe ich was vergessen!
Als wir uns am Wasserfall der Trollstigen befanden, kam von oben ein Elektroauto runter, welches mit Treten, wie auf einem Liegerad aufgeladen wurde. Echt krass, wenn der den ganzen Aufstieg geradelt ist.

22.8.08 15:45

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen