23.08.08 von Geiranger nach Dalsnibba über Hellesylt und zurück nach Geiranger

Wie versprochen empfängt uns das Wetter heute Morgen von seiner besten Seite.



Ein paar Schleierwolken hängen noch in den von der Morgensonne beleuchteten Bergen, aber diese verflüchtigen sich im Laufe des weiteren Morgens. Da wir heute eher weniger Motorrad fahren wollen und viel mehr Besichtigungen machen wollen, bleiben wir in Geiranger erst einmal heimisch.



Zu Beginn steht wie immer ein kleines Frühstück, wobei ich leider nicht solche schönen Brötchen, wie unser Zeltnachbar, bekommen konnte. Also bleibt es bei Brot mit Nugetta und Salami, sowie Käse.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum 25km entfernten Aussichtspunkt auf dem Berg Dalsnibba. Die Fahrt zieht sich etwas länger hin, da wir auf dem Höhenpass nur über viele, viele, viele schöne Haarnadelkurven kommen.



Oben angekommen, erwartet uns ein Foss nach dam anderen und erste Schneefelder zeigen dann auch mal endlich, dass es hier oben ziemlich kalt wird. Also ist meine erste gute Tat an diesem Tage natürlich das Einschalten der Heizgriffe. Der Höhenpass führt in teils langen Kurven über das Bergland und offenbart auf einmal einen riesigen Bergsee, an dem sich auch die Auffahrt zum Dalsnibba befindet.

Motorräder bezahlen mittlerweile statt 20NOK bereits 45NOK aber wir zahlen anstandslos und nehmen die erste noch schön geteerte Kurve. Kurz dahinter offenbart sich die wahre Pistenform für die nächsten 600 Höhenmeter, nämlich Schotter mit wenig befestigten Stellen, was Mr.O fluchen lässt. Hinzu kommen die bereits bekannten Haarnadelkurven, was somit selbst mit dem Auto kein Spaß ist. Aber was soll’s, diesen Ausblick müssen wir unbedingt mitnehmen.



Nach 10min kommen wir bei strahlendem Sonnenschein aber nur 5°C an den Aussichtspunkt.



Ich bin irgendwie froh, dass es kein schlechtes Wetter ist, denn dann wäre es für mich unsaushaltbar kalt geworden. Des Weiteren merkt man an den Parkmöglichkeiten, dass hier recht viele Besucher während der Saison Platz geschaffen wurde. Wie wir im Buch der Motorradtouren lesen, ist dann selbst für Biker Parkplatzsuche angesagt.





Wir verweilen etwas bei der schönen Aussicht auf Geiranger, den Fjord und die vielen Spitzkehren und lassen uns vor den teilweise schneebedeckten Bergketten fotografieren.



Natürlich werden auch die Bikes gesondert positioniert und fotografiert. Wann hat man schon mal so einen Hintergrund?



Während unserer Auffahrt ist in Geiranger wieder ein Kreuzfahrschiff angekommen, welches von hier nur durch seine weiße Farbe einigermaßen gut zu erkennen ist.



Da wir heute noch etwas auf dem Programm haben, machen wir uns auf den Rückweg, wobei Mr.O wieder ordentlich am fluchen ist.



Wir halten noch kurz am Gletschersee, wo ich eine etwas andere Form von Ehrerbietung vorfinde. Anstelle der Aufeinander gestapelten Steine, hat sich mal jemand daran versucht ein Paar ausgediente Wanderschuhe zu integrieren.



Nachdem schelle klar wird, dass wir doch noch im Geiranger tanken müssen, füllen wir sogleich für sündhaft teure 13,59NOK die leeren Bäuche der Maschinen und fahren zurück zum Campingplatz. Nun wird es dann auch Zeit die Sonne zu nutzen und unsere Wäsche zu waschen, was glücklicherweise eine Waschmaschine für 35NOK für uns erledigt. Es ist schon krass. Da ist man tausende Kilometer von zu Hause weg und findet eine nahezu baugleiche Waschmaschine von Bosch auf dem Campingplatz in Norwegen, welche somit auch bedienerfreundlich ist. Die Wartezeit nutzen wir um auch uns mal wieder etwas gutes zu tun und in den sauberen Sanitären anlagen die Morgenwäsche zu erledigen.

Die Zeit wird mittlerweile etwas knapp, denn die Wäsche braucht etwas länger als gedacht, sodass wir erst 10min vor Abfahrt der Fähre die Wäsche aufhängen und leichter bekleidet mit den Bikes zur Fähre stürmen. Von Schutzkleidung kann man hierbei wahrlich nicht mehr reden, denn lediglich der Helm erfüllt diese Vorgabe. Wir lassen uns aber für die 2km auf das Risiko ein.



An der Fähre angekommen finden wir schnell ein Plätzchen für die Bikes, bezahlen die Hin- und Rückfahrt und suchen und ein Plätzchen auf dem gut besuchtem Sonnendeck.

Die Fähre ist im Grunde sehr viel mehr auf Tourismus und Rundfahrten ausgelegt, als auf das Überschiffen von Autos, Bussen, Bikes und sogar Kanus(!!!).



Im Innenraum befindet sich ein üppig ausgestatteter Salon und währen der Fahrt erklingt Musik und Erklärungen in vier verschiedenen Sprachen zu dem im Fjord befindlichen Sehenswürdigkeiten. Zu Beginn der Fahrt bekommen wir einen Eindruck wie man sich auf einem der Hurtigrutenschiffen fühlen muss, wenn man durch die Fjorde schippert. Es ist einfach atemberaubend, die nur wenige Meter entfernten steilen Wände anzusehen,





Wir sehen nun auch erstmalig die Steilkurven Passage von unten, welche wir noch vor 2 Tagen auf unserem Weg nach Geiranger gekommen sind.



Kurze Zeit später werden wir über die verschiedenen Bauernhöfe informiert, welche zwar alle nicht mehr bewohnt, aber selbst nach bis zu 100 Jahren noch gut in Takt sind und von Wanderern besucht werden. All dies ist nur möglich weil die „Freunde des Fjordes“ eine Menge Aufbau und Restaurationsarbeit leisten. Neben dem reichsten Bauernhof „Skagefla“, welcher den Steuereintreiber durch das Hochziehen der Leiter, welche die einzige Möglichkeit zum Erreichen des Hofes war, vertrieben hat, gibt es den Hof „Knivsla“, welcher von einem riesigem Felsen bedroht wurde. Der Felsen hängt jedoch auch heute (100Jahre später) noch an Ort und stelle ohne sich auch nur etwas gerührt zu haben. Die Höfe „Syltevik“ und „Blosberg“ wurden im Winter kaum erkennbar mit riesigen Schneeverwehungen eingeschneit, was sicherlich auch eine riesige Herausforderung darstellte. Last but not least folgte der Bauernhof „Matvik, was übersetzt „reichhaltig“ bzw. „fruchtbare Erde „bedeutet. Die Lage des Hofes, war im Grunde vorteilhaft direkt an einem Wasserfall, welcher sicherstellte, dass genug Trinkewasser vorhanden war. Leider herrschten im Winter und im Frühling oftmals lange Perioden mit Temperaturen unter 0°C, was das Trinkwasser knapp werden ließ, bzw. komplett versiegen ließ. In diesen Fällen musste (auch für die vielen Hoftiere) Frischwasser von der anderen Fjordseite geholt werden, was damals nur mit unmotorisierten Booten erfolgte. Allein die Vorstellung ist schweißtreibend.

Neben den Bauernhöfen“ passierten wir die beiden größten Wasserfälle, die „7 Schwestern“ und den „Freier“.



Der Sage nach sind alle Schwestern immer noch nicht verheiratet, obwohl der Freier schon oft um die Hand angehalten hat.



Aufgrund der ständigen Ablehnungen hat der Freier letztendlich zur Flasche gegriffen, was heute noch gut am Verlauf des Wassers erkennbar ist.



Die Fahrt nach Hellesylt geht an riesigen Bergen vorbei, welche nach Auskunft der Ansagen, genauso tief wie hoch sind, nämlich bis zu 600m. Ab und an erscheinen ein paar kleinen Finnen an der Wasseroberfläche, was uns vermuten lässt, dass es sich um kleine Delfine oder Schweinswale handelt.



Hellesylt erreichen wir nach ca. einer Stunde Fahrt. Es handelt sich um ein scheinbar nicht ganz so touristisch verseuchtes Dorf wie Geiranger. Da wir etwas müde werden, bleiben wir an Bord und nutzen die schöne Sonne zu einem kleinen Nickerchen. Kurz nach Abfahrt der Fähre starten alle Ansagen der Hinfahrt in umgekehrter Reihenfolge, was für uns somit weniger interessant ist.



Mir wird nun doch langsam etwas zu frisch an Deck, sodass wir doch lieber die restliche Fahrt im Salon verbringen, von wo der Ausblick ebenfalls nicht zu verachten ist.



Wieder zurück in Geiranger versuchen wir ein letztes Mal ein Mitbringsel in den Shops zu finden, aber bleiben leider wieder erfolglos (auch in Hinsicht auf Postkarten). Ein kleiner Einkauf beschert unds für den Abend Cola und Chips, sowie Schokomilch und Café für den Morgen. Nach dem Einkauf geht es zurück auf den Campingplatz, wo ich uns Nudeln mit Tomatensauce koche, was ich bei der Schnelligkeit der Herdplatten in der Hütte auch mit dem Gaskocher hätte machen können. Bei Chips und Cola sitzen wir noch eine Weile am Wasser und genießen die Schicht auf das Wasser. Unsere Wäsche ist mittlerweile schön getrocknet und die Hütte durch die Sonne etwas wärmer als gestern Abend, sodass ich hoffentlich heute Nacht etwas besser schlafen kann.

P.S.: Eines sollte man hier noch anfügen. Kreuzfahrschiffe mögen ja schön sein, aber sie liegen mit laufenden Maschinen vor Geiranger und verpesten die Luft mit Rauchschwaden.



Die Abfahrt wirkt dabei sogar noch schlimmer, da sie eine riesige Rauschschwade hinter sich herziehen und alles andere in Nebel hüllen. Vor allem die „Costa Marina“ und die „Astoria“ waren recht vorzeigbar für dieses verschmutzen der offensichtlich reinen Luft.

23.8.08 11:24

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