24.08.08 von Geiranger nach Reed

Geiranger präsentiert sich, wie auch schon gestern, bei besten Wetter, sodass wir wieder mal unser ein kleines Frühstück auf der Miniterrasse einnehmen. Die Erdbeermarmelade ist übrigens echt lecker. Mr. O. stellt derweil fest, dass er zuviel Wasser in seinen Cappucino getan hat. Zum Glück hat er ja noch ein paar Probeversuche für die nächsten Tage übrig. Die Schokomilch schmeckt wie jede andere gekaufte Trinkschokolade, ist aber für den doch recht frischen Morgen etwas zu kalt. Na ja, man kann eben nicht alles haben.

Wir satteln also so langsam die Pferde, upps Motorräder, und machen kurz die Kabine sauber, wobei sie vorher wohl nicht gefegt wurde, bei dem Dreck der zusammengekommen ist.



Auf dem ersten Teil der Strecke geht es, wie gestern, in Richtung Dalsnibba, also wieder viele Kurven und Spitzkehren, schöne Aussicht usw. Allerdings ist es heute nicht so kalt auf dem Bergpass, schließlich sind wir weitaus später losgefahren.



Am Abzweig zum Dalsnibba geht es entlang des Gletschersees geradeaus weiter aus der „63“.

Nach einiger Zeit kommt man an den Abzweig, welcher rechts durch einen Tunnel nach Stryn führt oder links die Wahl nach Otta über Grotli lässt.

Da das Wetter so gut ist, wagen wie einen weiteren Höhenpass und fahren nach links. Auf der sehr gut ausgebauten Straße darf man sogar 90 fahren, wobei man das gar nicht unbedingt möchte, zumal viele Schilder mit Rentieren aufgestellt wurden und zumindest ich mir erhoffe auch mal welche zu sehen. Bei den Geschwindigkeiten und den gut an die Umwelt angepassten Tieren ist das natürlich sehr unwahrscheinlich.

Als es dann rechts auf dem Höhenpass die „258“ nach Stryn abzweigt, gebe ich die Hoffnung auf und konzentriere mich auf die leider schlechter werdende Gebirgsstraße. Die Straße scheint zwar geteert, aber überall liegen kleine Steine in der Spur, was Mr. O augenblicklich darauf verweisen lässt, dass er mit einem Sportwagen auch nicht so ein Gelände fahren würde. Ich frage ein letztes Mal, ob der umdrehen möchte, doch noch scheint es nach seiner Aussage zu gehen. Der Gebirgspass schlängelt sich durch sehr urige Landschaft. Hier und da ein Haus mit norwegischen Autos und ab und an ein paar Leute die gerade das Jedermannsrecht ausprobiert haben und an einem der vielen Flüsse ihre Morgenwäsche tätigen.



Der Weg wird zeitweise immer gerölliger, aber Mr. O. hält unter diesen Bedingungen wacker durch.



Ich habe sogar die Vermutung, dass „fire“ sich insgeheim ins Bremspedal lacht, denn auch sie macht keinerlei Mucken.



Die Landschaft zeigt sich im Grunde hinter jeder Kurve von einer anderen Seite, aber nie minder schön. Azurblaue Bergseen gespeist von den schneebedeckten Bergen laden zum Schwimmen ein. Natürlich wissen wir, dass es viel zu kalt dafür ist.

Die Straße führt insgesamt ca. 35km über die Berge. Als endlich wieder Aspahltstraße kommt und die Straße zudem wieder breiter wird, macht Mr. O. erst einmal einen kleinen Check seines Bikes, während ich die Zeit für ein Foto nutze.



Die schönen landschaftlichen Hintergründe nutzen wir dann auch noch für ein Foto von Mr.O. bei Fahrt. Kurze Zeit später offenbart sich dann auch der Grund für die guten Straßenverhältnisse. Ein momentan stillgelegter Skilift scheint hier, sobald es genug Schnee gibt, alle möglichen Gäste auf die höher gelegenen Berge zu bringen. Ein Norweger erzählt mir – dass er eigentlich mit dem Lift fahren wollte und nun mit seiner Frau wandern geht.

Auf der Abfahrt nach Stryn gibt es wieder eine Menge Spitzkehren und einen kleinen Aussichtspunkt auf einen Fluss der recht imposant ist, zumal er den Berg nahezu herunterprescht und dabei ordentlich Gischt erzeugt.



Wir fahren nach kurzer Pause weiter und gelangen auf die „15“, welche gerade aus dem Tunnel hervorkommt, welchen wir vorhin hätten auch nehmen können. Ich muss aber sagen, dass unsere Entscheidung den Bergpass zu nehmen, sich sehr gelohnt hat. Die Stadt Stryn ist um einiges größer als Geiranger und bietet allerhand Läden, wobei diese am heutigen Sonntag geschlossen sind.

Wir halten uns im Kreisverkehr Richtung Briksdalbreen-Gletscher und passieren vorher den Ort Loen, wo wir eine kleine Pause am Fjord machen. Nachdem wir etwas gestärkt sind, geht es weiter in den nächsten Ort Olden, wo auch schon recht eindeutig auf den bekannten Gletscher hingewiesen wird. Die Straße schlängelt sich auf 14km Länge durch zwei ziemlich unheimliche Tunnel, da komplett dunkel, nach Briksdal.



Die Straße würde ich nicht als 4 Sterne betrachten, da sie hier und da unschön zu fahrende Wellen und Risse hat. Aber landschaftlich ist es wie immer super, vor allem, weil eine der Gletscherzungen schon von weitem zu sehen ist. Es handelt sich hierbei aber nicht um die auf vielen Fotos befindliche Gletscherzunge. Diese kann man nur über einen einstündigen Fußmarsch oder über so genannte Trollkutschen besucht werden.

Da wir ungern die voll gepackten Bikes unbeaufsichtigt stehen lassen wollen und zudem zu warm angezogen sind – schließlich fahren wir Motorrad – begnüge ich mich mit einem Foto von einem Trollsprung aus und besuche mit Olli den mal etwas interessanteren Souvenirladen.

Nach kurzem Aufenthalt geht es dann zurück nach Olden, um hier auf die Straße nach Utvik über Innik zu fahren. Die Straße hat sehr viele Verengungen und so manch ein Wohnwagenanhäger springt etwas abernteuerlich über die Bodenwellen, sodass ich froh bin, dass wir vorbeigelassen werden – was vor allem Norweger machen.

In Utvik gibt es leider keinen Hinweis auf einen Campingplatz, sodass ich erst einmal die mit Steilkurven bestückte Straße über den nächsten Gebirgspass nehme. Mr. O. scheint auch nichts gesehen zu haben, denn er folgt mir unauffällig.

Am höchsten Punkt angekommen versuchen wir auf den dortigen Karten einen anderen Platz ausfindig zu machen und probieren es mit dem nahegelegenen Örtchen Reed.

Der Campingplatz ist von oben kommend schon gut sichtbar und ein nettes Plätzchen am Wasser haben wir auch nach etwas Unentschlossenheut gefunden. Wiedermal sind wir froh den kleinen Hammer dabei zu haben, denn der Boden scheint nur so mit Steinplatten unter der Grasnarbe bestückt.



Das Zelt ist aber wieder schnell aufgebaut und alles Notwendige ordentlich untergebracht. Ein kleiner Besuch an der Rezeption offenbart, dass wir die Abstinenz vieler Deutscher und anderer Touristen hier auch gleich teuer bezahlen müssen, aber was sind schon 20NOK mehr wenn man es ruhig hat, die Toilletten gepflegt sind und sein Zelt direkt ans Wasser stellen kann.

Da es mittlerweile 17 Uhr geworden ist und im Buch lesen oder das W-Lan des Camping-Platzes nutzen etwas Faulenzerzeit gönnte, machen wir uns, ohne Besuch eines Kiwi-Marktes ans essen. Heute gibt es Asia-Nudeln mit Brot und teuer erstandener Pepsi vom Campingplatz.



Laut dem internet gibt es in Balestrand – unserem nächsten Etappenziel morgen – Regen, was man an plötzlich aufziehenden dunklen Wolken auch zu vermuten mag. Es stellt sich aber später heraus, dass der Himmel nur kurzzeitig bedeckt ist. Warten wir also ab, was da so kommen wird.

P.S.: Die Gebirgspässe zeigen sehr eindrucksvoll, wie wichtig die Hurtigrutenschiffe in Norwegen sind, denn viele dieser Straße werden bei entsprechend winterlicher Witterung geschlossen. In solchen Fällen kann keiner der Vielen Skania LKWs die Städte beliefern. Zum Glück konnten wir bisher alle Wege gut passieren.

24.8.08 13:37

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