09. August 2009 - Sandsletta-Borg-Sandsletta

Gegen dreiviertel neun wache ich auf und habe etwas Hummeln im Arsch, während Mr. O sich nochmal umdreht. Draußen regnet es wie versprochen, sodass wir nicht wirklich Eile haben loszukommen. Kurz den menschlichen Bedürfnissen folgend, räume ich etwas unsere Hütte auf, damit der Frühstückstisch frei ist. Als Mr. O aber auch gegen halb zehn nicht wirklich die Augen aufmacht, werfe ich den Laptop an, um unseren gestrigen Bericht noch etwas zu ergänzen und die restlichen Fotos hochrzuladen.

Ich entdecke dann im IPhoto auch noch die lustige Funktion "Gesichter" welche automatisch auf Bildern Gesichter erkennt und welche man benennen kann, sodass das Programm andere Fotos vergleicht, um gleiche Gesichter zu finden. Hiermit beschäftige ich mich eine gute Stunde bis Mr. O um 11:45 dann doch mal aus den Federn kommen möchte und beschließt, dass ich ihn heute bedienen solle.

Das hält zum Glück nur so lange wie das Frühstück. Danach erinnert er sich nicht mehr an seinen Traumgedanken. Wir frühstücken in Ruhe und schauen uns dann die derzeitige Wetterlage an, welche ebenfalls wie vorhergesagt besser wird und an manchen Stellen den blauen Himmel durchscheinen lässt.

Wir beschließen also unsere kleine Hütte zu verlassen und auf den Wegen der Wikinger zu wandern, zumindest kommen wir damit auch unserem Aufklebermotto etwas näher. Wir packen die Regenkombis nur vorsichtshalber ein und nehmen zudem die Lowas mit, damit wir uns am Museum umziehen können.

Gegen 12 Uhr machen wir uns auf dem altbekannten Weg Richtung Svolvaer und können erfreut feststellen, dass die Straßen merklich trockener werden und die ersten Sonnenstrahlen auch nicht lange auf sich warten lassen.

In Svolvaer biege ich am Kreisel rechts ab um weiter der E10 zu folgen, welche uns auch gleich in den nächsten Ort Kabelvåg bringt. Kabelvåg war früher einmal die Hauptstadt der Lofoten, bevor es Svolvaer wurde und beherbergt die Lofotenkathedrale, welche komplett aus Holz gebaut ist und bis zu 1200 Gläubigern Platz bietet, auch wenn solche Mengen wohl nur sehr selten noch gebraucht werden.



Leider ist die Kathedrale auf der Sonnenseite eingerüstet, so können wir leider nur sehr schattige Bilder von einer recht hell bemalten Kirche machen.



Wir bezahlen am Eingang die 20 NOK/Person und gehen ins Innere, welches recht einfach ist und mit den deutschen katholischen Kirchen und ihrem Prunk nichts gemein hat.



Mit uns sind auch vier vier andere ins Gotteshaus gegangen und alle setzen wir uns in die Reihen der Holzbänke um einen Moment der Ruhe zu erfahren. Das tut mal ganz gut, auch für Atheisten wie mich.



Als wir wieder draußen sind, verkündet Mr. O, dass er nur noch 98 km fahren kann, was zwar bis Borg reichen würde, doch die Rückfahrt wäre ungewiss. Also fahren wir zurück nach Svolvaer, um an der letzten Tanke die Kälber wieder aufzufrischen und dann wieder Richtung Å i Lofoten zu fahren.

Die Straße führt in schönen Kurven immer entlang der Küste wobei wir anstelle einer Passstraße die moderne Tunnelfahrt nutzen. Schaut man aber nach der Tunnelausfahrt rechts hoch kann man die alte Verbindung noch sehen, welche sich aber derzeitig nur noch von einer Seite etwas befahren lässt, um den Blick auf eine schönes Bergpanorama freizugeben.



Wir kommen nun in ein Gebiet, welches seine Wasserqualität als Trinkwasser bezeichnet. Dies begründet auch, warum man hier nicht baden darf. Die Straße windet sich entlang der Berghänge und gibt einige Zeit später den Blick auf die zweite Recht bekannte Brücke frei, welches ebenfalls die Durchfahrt größerer Schiffe ermöglicht.

Wir halten extra am nächsten Haltepunkt an, welche auch das Panoramazeichen beinhält, doch ist dieses weniger auf die Brücke, sondern mehr auf die "Galerie" bezogen, die den Fjord in ein sehr skuriles Bild wirft.



Wir fahren also weiter uns halten direkt vor der Brücke ein einem Aussichtspunkt, welcher freien Blick auf die Brücke ermöglicht.



Sobald das Foto gemacht ist, geht es auch schon weiter, wobei ich versuche beim Fahren ein paar Bilder zu machen, was sich aber als äußerst schwierig zeigt, da auf der Brücke ordentlich Wind fegt.



So langsam kommen wir unserem Ziel näher, wobei das Wetter schöne Lichtstimmungen an den Bergen erzeugt und wir hier uns da anhalten, um das Panorama festzuhalten.



Zwischendurch begegnen uns dann auch die große GS und das kleine 800er GS Modell von der Fähre wieder. Als Borg nur noch gute 4 km entfernt ist, kann man von einem Aussichtspunkt schon die Kirche von Borg entdecken.

Zu meinem Erstaunen ist dann kurz vor Borg doch noch ein Tankstelle, welche anstelle von 12.80 NOK in Svolvaer noch recht moderate 0.08 NOK teurer ist. Wir hätten hier also noch tanken können.

Nach gut 2 km erreichen wir den gut ausgeschilderten Parkplatz und halten prominent direkt am Aufgang neben zwei italienischen Großen GSen.



Da aber neben uns der Parkplatz frei wird, parken wir nochmal um. Da wir nicht mit voller Kombi in das Museum wollen, ziehen wir uns etwas bequemer an und lassen Stiefel, Helme, Handschuhe und Rückenprotektoren am Bike.



Danach gehen wir den Aufgang unterhalb des Nachbaus eines wikingerischen Haupthauses zum Eingang, um recht horrende 120 NOK/Person in Empfang zu nehmen.



Als kleiner Willkommensgruß steht eine kleine Wikingerfigur vor einer Sitzgruppe, welche wir natürlich mal festhalten.



Leider muss ich etwas sparsam sein mit den Fotos, denn ich habe vergessen die beiden Akkus aufzuladen und zerre nun vom Rest. Die aufkommende Kälte beschleunigt leider die Langlebigkeit der Akkus nicht gerade.

Wir gehen nun zuerst Richtung Haupthaus, wobei linker Hand Essstellen zu sehen sind und rechts ein mit Steinen umzäunter Kräutergarten und ein kleines Haustiergehege, wo nach Mr. Os Ansicht zwei "Schmödis" in der Sonne faulenzen. Es handelt sich hierbei um recht wohl genährte Borstentiere.



Am Haupthaus angekommen will man kurz unsere blauen Aufkleber sehen, welche wir noch immer in der Hand halten und begrüsst uns auf Deutsch. Das Haupthaus selbst ist ein Nachbau des gefundenen Haupthauses, wobei die Stützpfeiler wohl mit Hilfe der Selbstinterpretation schön mit nordischen Motiven verziert sind. Wie eine Führerin erzählt, weiß man nicht, ob diese Stelen tatsächlich so aussahen, aber die Symbole sind zahlreich überliefert.

Im linken großen Raum sehen wir sowohl die handwerklichen Arbeiten der Wikinger als auch die Wohnstätten und Essgewohnheiten der Wikinger.



So werkeln zwei neumoderne Wikinger gerade an einem Stoff, Felle hängen von der Decke und weiter hinten ist eine Werkbank mit Hobel und Schnitzerei zu sehen.



Der Umgang mit Holz war für die Wikinger sehr wichtig, denn neben den typischen Booten wurden auch viele Huldigungen damit Versinnbildlich. Das Pferd galt zum Beispiel als Glücksbringer und wurde nicht nur sehr imposant als ganzer Holzpferdekopf geschnitzt, sondern auch als stilisierte Form an den Kopfenden der adligen Betten verwendet.

Es wird uns erzählt, dass es auch bei den Wikingern sogenanntes Sonntagsgeschirr gab, welches uns im großen Hauptraum mit vielen Bänken und Tischen gezeigt wird. Die Holzteller und Essbestecke sowie das Trinkhorn wurden in dann gegen Tonteller und Stahlbestecke sowie richtige Gläser eingetauscht. Das Sonntagsgeschirr gab es aber selbstverständlich nur bei wirklich wichtigen Ereignissen.

Für die Neuzeitler hat das ebenfalls trichterförmige Glas einen Ständer geschmiedet bekommen, da man diesen nicht unbedingt zumuten möchte alles Hopp und Ex trinken zu müssen.

Der norwegische König feierte im Hauptraum seinen 60sten Geburtstag und man konnte schnell sehen, dass auch die heutigen Adligen sich nicht anders verhalten als damals, denn der Met (Honigwein) hat alle ordentlich besoffen gemacht.



Im Hauptraum befindet sich dann auch eine Feuerstelle und Nachbau des Throns, wo Mr. O sich einen der schweren Stahlhelme aufsetzt und sichtlich erfreut über sein eben gewonnenes Reich herrscht.



Im nächsten Raum hängen dann die getrockneten Fische von der Decke, welche wohl auch schon bei den Wikingern eines der wichtigsten Mittel waren, um für lange Zeit Essbares im hause zu machen. Obwohl man den Fisch im Normalfall 3 Tage in Salzwasser und dann erst kochen soll, hielten de Wikinger es auf ihren Raumzügen oft einfacher und schlangen ein Stückchen trockenes Fisch herunter, welcher im Mund natürlich immer mehr wird, das er das verlorene Wasser wieder aufsaugt.

Der letzte Raum des Haupthauses ist eine Ausstellung alter Fundstücke mit Erklärungen und Versinnbildlichungen an Puppen. Hier gehen wir relativ schnell durch, denn alles ist hinter Glas und fast immer auf norwegisch, sodass man eher raten oder erahnen muss, was wohl gemeint ist.




Vom Haupthaus gehen wir dann Richtung See, wo sich nach 800 m das nur noch heute stattfindende Wikingerfestival befinden soll.
Der Weg zieht sich ganz schön, und Mr. O bemängelt schon, dass er seine Füsse zum Motorradfahren hat, aber dann kommen wir vorbei an den lustigen Toiletten und seinen neuzeitlichen Outdoorwaschmöglichkeiten endlich an den Ort des Geschehens.




Es sind einige Zelte aufgestellt und überall kann man typisch Winkingerutensilien kaufen, wobei diese sicherlich auch in Deutschland auf so manchem Mittelalterfestival zu finden sind.





Recht nett ist ein Zelt, wo Kinder sich ihren eigenen Anhänger gießen können, wobei das glühende Gut in zwei zusammengehaltenen Steine gegossen wird und binnen kürzester Zeit erkaltet ist.



Ansonsten gibt es weitere Zelte mit Pfeilen und Bogen, Axten und Schwertern sowie Taschen aus Tierleder bzw. fell und Schmucksachen. Die Preise sind wirklich horend. Ein kleines Trinkhorn von gerademal 12 cm Größe soll schon 150 NOK kosten. das große (30 cm) dann schon 450 NOK.

Da vergeht einem schon alleine die Lust nur zu schauen.





Es folgen die Möglichkeit einen Schwertkampf mit einem modernen Wikinger zu erleben, wobei man ihn für nur 30 NOK auch töten darf und der Kampfplatz auf der rechten Seite.

Als wir dann zum See runtergehen, liegen dort auch ein paar Repliken der typischen Wikingerboote am Steg, wobei man mit dem größten nur 2x am Tag herausfahren kann, was aber sicher für jeden Teilnehmer Schwerstarbeit ist, da 30 Mann zu Rudern haben, um etwas zu bewegen.





Wer nicht auf das große Schiff warten will, kann auch mit einem kleineren unter Anleitung eines Wikingerskippers umherfahren, wobei man zum Ablegen ebenfalls rudern muss.



Wenn man den Probanden so zusieht, bekommt man erstmal einen Eindruck wie schwer es erst mit dem großen sein muss.

Nebenan wurde ein Theater eingerichtet, wo lustigerweise nur einer erzählt und alle anderen (fast nur Wikinger/Norweger) zuhören.



Draußen geht es derweil munter weiter, wobei neben selbstgesteckten Armreifen aus lauter kleinen Ringen (wiedermal zu Hochpreisen) Wolle im Kochtopf gefärbt wird. An einem Gestell sind dann auch die bereits gefärbten Garne zu sehen, mit denen die typischen Wikingerkleidungen gemacht werden.





Wir machen uns so langsam wieder auf den Rückweg, wobei auf dem Kampfplatz mittlerweile großer Tumult ausgebrochen ist, weil zwei Wikingergruppe sich gegenüber stehen und wild zu kämpfen anfangen. Hierbei gibt es natürlich reichlich Tote und auch dem Letzten wird mit einem gekonntem Schwerthieb der gar aus gemacht.



Wir nehmen dieses mal den zweiten Rückweg zurück zum Haupthaus, welcher mir sehr viel kürzer vorkommt. Es ist kaum etwas interessantes zu sehen, denn wenn man etwas sehen möchte muss man recht weite Wege gehen, um dann mit einem kläglichen Rest von Fundstücken sein Ziel erreicht zu haben. So ist zum Beispiel die Ausstellung der landwirtschaftlichen Gegenstände des Altertums nichts weiter als eine alte Scheune, in der das Zeug lieblos rumsteht und beinahe verrottet.



Zurück am Haupthaus schauen wir noch ein wenig den Schmödis zu und gehen dann zum Ausgang um noch etwas um Wikingerlädchen zu stöbern, wo man als Tourist wieder viel Geld für wenig bezahlen kann.

Mr. O wird dann aber doch fündig und kauft sich einen Anhänger mit einer "R" ähnlichen Rune, welche eine sichere Reise bieten soll. Ich entdecke auch eine Rune für mich, doch kaufe ich sie mir lieber nicht, denn Mr. O denkt dann bestimmt wieder sonst was. Es wäre ein Viereck gewesen, welches auf der Kante steht und für Inspiration und Sexualität steht.

Es ist nun doch schon recht spät geworden und so machen wir uns auf den Heimweg, wobei wir erstaunt sind wieviele BMWs auf einmal vor dem Aufgang stehen. Auch eine kleine GS steht dabei. Alle Bikes scheinen schon recht weit gereist zu sein, denn sie sind übersät mit Aufklebern von Morokko bis zum Nordkapp.

Die Rücktour ist ähnlich schön wie die Hinfahrt, nur dass wir beiden doch recht stark frieren. Obwohl die Sonne scheint sind es gefühlte 10°C auf den Bikes.



Als wir am Abzweig nach Henningsvaer kommen fahre ich deshalb auch weiter Richtung Svolvaer und biege nicht ab. In Svolvaer halten wir dann Auschau nach dem Marktplatz und dem kleinen davor befindlichen Hafen, von wo aus morgen die Schiffe zum Trollfjord starten sollen.

Nach etwas Sucherei findet Mr. O den Platz und wir stellen die Bikes kurz ab um nach den Fahrzeiten und Preisen zu schauen. Leider haben sich die Preise auch für dies Touristenattraktion gewaschen. Statt wie im Buch beschriebene 40€ sollen wir schon über 50€/450 NOK nach derzeitigem Kurs bezahlen.



Die Fahrt mit den Schnellbooten ist sogar noch teurer, denn dort soll man schon gute 550 NOK bezahlen. Wir beschließen vom Campingplatz aus zu reservieren und fahren weiter über die Hafenbrücke in Richtung Mole, wo wie wieder solchen Trockengestelle für die Fische gesehen haben.



Dort angekommen sehen wir dann auch wo sich Magic Ice befindet, was wir dann sogleich besuchen, um den Punkt im Navi einzuspeichern.



Nun wird es aber auch wirklich Zeit nach Hause zu kommen. Bei der Ausfahrt aus Svolvaer befindet sich rechterhand ein Kirkegard (Friedhof) welche, wie auch schon jener in Myre fast jedes Grab geschmückt zeigt. Nun wird mir auch klar, warum man mal einen anschauen sollte. Vor allem in der Abendsonne sieht das Reich des Vergangenen einfach nur noch schön aus.

Ich düse nun regelrecht zum Campingplatz, wobei Mr. O richtigerweise mahnt, dass die Bodenwellen in den Kurven auf dem Lofotstraßen nicht zu verachten sind und einen schnell mal heraustragen können.

An der Rezeption bitten wir um eine Reservierung für die Trollfjordtour morgen um 11 Uhr, wobei uns gesagt wird, dass es eigentlich nicht so voll sein müsste und eine Reservierung sicher nicht notwenig ist. Die Dame will aber dennoch mal anrufen und nachfragen und ggf. reservieren. Wir checken noch schnell das Wetter welches morgen bewölkt aber Sonnig sein soll und fahren zu unserer Hütte.

Heute Abend gibt es zum Zweiten Mal was vom Grill, wobei wir dieses Mal den pølser-sommermix und zwei Kotletts mit Knobibrot (tatsächlich aus Deutschland) und gegrillten Brotscheiben ausprobieren. Die pølser schmecken eigentlich ganz gut, aber bei den Kotletts sind wir uns nicht so sicher, ob das Fleisch genug durchgegrillt wird auf dem Einmalgrill, da er nicht wirklich heiß ist.



Das Knobibrot schmeckt aber ganz gut und letztendlich sind auch die Kotletts soweit, gegessen zu werden.

Danach folgt wie immer die Reihenfolge Navi und Kamera leeren, wobei die Akkus schon vor dem Abendbrot zu laden gesteckt wurden.

Danach sind wir beiden recht platt und legen uns ins Bett, wo ich noch etwas schreibe, während Mr. O neben mir einschläft. Da das Bett liegen dann aber auch mich schläfrig macht, breche ich das Schreiben ab und schlafe ebenfalls ein.

9.8.09 17:46

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