13. August 2009 - Sandsletta-Narvik-Straumnes

Wiedermal gegen 9 Uhr wachen wir zum ersten Mal auf, doch obwohl wir heute eine lange Route vor uns haben, will keiner von uns beiden so richtig aufstehen. Ich schreite dann aber doch nach einer Weile munter voran, um gleich mal die morgendliche Müdigkeit abzuwaschen. Als ich wiederkomme ist Mr. O dann auch schon vor der Hütte und wartet mit seinem Handtuch bewappnet auf die rückkehrende Waschtasche. Ich fange derweil an die Schlafsäcke, Kissen und Decken einzupacken und im Packsack zu verstauen. Als Mr. O wiederkommt frühstücken wir schnell eine Kleinigkeit, um dann die Hütte komplett zu leeren und wenigstens nochmal durchzufegen, bevor wir sie gänzlich abschließen und verlassen.





Leider müssen wir kurz vor der Abfahrt dann doch noch in die Regenkombis, da leider das norwegische Wetter wieder etwas schneller ist als wir und der Sonnenschein somit gerade wieder von Regen eingeholt wurde. Wir geben schnell die Schlüssel ab und fahren dann auf der E 10 Richtung Narvik, wo wie ständig ein Wechselspiel zwischen Sonne und Regen erleben, wobei es durchschnittlich 10°C sind.

Nach ein paar eindrucksvollen Ausblicken kommt dann urplötzlich die so bekannte Raftsundbrua in Sicht. Leider gibt es nicht wirklich eine Möglichkeit anzuhalten und so können wir uns nur einprägen wie die Brücke aus dem Wald heraus in das Gestein auf der anderen Seite übergeht. Von dort möchte uns das Navi dann nach rechts weiterschicken, aber wir fahren schnurstraks die sichtlich neue E 10 in den Tunnel und folgen ihrem Verlauf durch für das Navi unbekannte Land. Toll ist auf dieser Etappe anzusehen, wie die Straße förmlich durch jeden im Wege befindlichen Fels gesprengt wurde. Es ist auch irgendwie überall so, dass nur 30cm Humusboden existiert, welcher ausreichen muss, um große Bäume zu halten, da der Fels direkt darunter liegt. Es folgen noch einige weitere Tunnel und weggesprengte Steine auf neugeteerter Straße. Leider ist der Regen zu dieser Zeit wieder recht stark sodass ich leider keine Fotos machen kann.

Erst als wir wieder auf den Kreisel nach Lødingen kommen, von woaus dann auch das Navi wieder bescheid weiß, beginnt es besser zu werden. Nachdem wir den Tjelsund passiert haben bekommen wir einen ersten Blick auf die Tjelsundbrua, welche sich in hohem Bogen über den Sund hebt. Um wenigstens ein Bild an diesem Tage gemacht zu haben, halte ich dieses imposante Gebäude gleich mal fest.



Die nächsten 80 Kilometer bekommen wir dann einen Eindruck vom riesigen Ofotfjord, wobei die Straße mal mehr und mal weniger entlang des Wasser führt. In Nygard führt dann ein ähnliche Brücke wie die Tjelsundbrua über die restlichen Ausläufer des Fjordes. Von der Brücke aus können wir dann hoch oben im Wald einen Personenzug auf seinen Weg nach Narvik beobachten.

Als wir Narvik erreichen werde wir förmlich von der Großstadt überfallen. Es gibt auf einmal Ampeln die tatsächlich nicht zur Verkehrsregelung von einspurigen Brücken genutzt werden, sondern um Fussgängern auf Zebrastreifen über die Straße zu geleiten. Die Stadt selbst ist sehr geprägt vom Erzgeschäft und so liegen mehrere große Schiffe vor Anker um das kostbare Gut beladen zu bekommen.

Wir nutzen in Narvik noch schnell die Möglichkeit zu tanken, wo uns ein Havelländer anhupt, um uns freundlich zu grüßen. Nachdem wir einige Kilometer weitergefahren sind, hält es meine Blase aber dann doch nicht mehr aus und so sind wir gezwungen auf die beiden ekligen Plumsklos an einer Raststätte zu gehen.

Ich frage mich bei solchen Klos immer, warum Menschen sowieso nicht ganz saubere Orte noch mehr einsauen, indem sie meilenweit von Klo hinkacken. Einfach nur eklig, weshalb ich so schnell wie möglich auch wieder draußen war.

In der freudigen Hoffnung, dass wir in einer dreiviertel Stunde fahren wir so schnell es geht weiter. Leider müssen wir schon kurze Zeit später ins nächste Grauen Blicken, denn wir fahren voll ins Unwetter, welches neben viel Regen die Temperaturen weiter sinken lässt. Wir müssen noch zwei Autos und einen großen LKW überholen, bevor wir freie Fahrt haben.

Ich will mittlerweile nur noch ankommen und gebe trotz der Widrigkeiten ordentlich Gas und in kleinen Gängen in die Kurven, damit die Maschine trotz der nassen Straßen stabil bleibt. Mr. O bleibt ab und an recht weit zurück, aber ich fahre dann auf gerade Strecken einfach etwas langsamer. Irgendwann überholen wir dann einen Schopperfahrer und die Fähre ist in greifbarer Nähe. Das wird auch Zeit denn mein rechter Ring- und Mittelfinger verabschieden sich gerade in die Nichtspürbarkeit. Als ich dann auch noch Schmerzen verspüre, mache ich mir Sichtlich Sorgen.



Wir erreichen dann endlich die Fähre und Mr. O weckt ersteinmal meine Finger aus dem Totenstadium. Sie sind tatsächlich noch lebendig, aber es hat sicher nicht mehr viel gefehlt, denn sie waren blau wie nie. Hinter uns trudelt nun auch der Schopperfahrer ein, welcher sich als lustiger Franzose entpuppt der munter Englisch spricht ohne auf seine Landessprache zu beharren.

Er erzählt uns dann dass er in 4 Tagen zu Hause sein will und die Strecke nach Oslo in 2 Tage zu schaffen gedenkt. Wir erzählen im zwar, dass es gute 3 Tage bis Oslo sind, wenn man sich nicht übernehmen will, erzählt er uns, dass er vor einiger Zeit von Göteburg bis nach Frankreich in einem Ritt von 12 Stunden gefahren ist, da er schnell zu Hause sein muss. Wir geben ihm den Rat einfach 5 Tage für die komplette Strecke einzuplanen, ob er das auch tut, werden wir wohl nie erfahren.

Wir beschließen nun unsere Stiefelüberzieher ebenfalls auszupacken, denn die Füße sind schon nahezu Eisklumpen, was ja nicht sein muss. Leider habe ich für meine Hände keine bessere Lösung als weiterhin die Winterhandschuhe zu nutzen, welche erstaunlich gut dem Wasser standhalten. Es kommt nun noch ein Däne auf seiner schwedischen F800 Gs an, welche förmlich blitzt, so neu ist sie. Er erzählt uns dann, dass er aus Kopenhagen kommt, dort die Steuern für Motorräder und auch der Kaufpreis so horent ist, dass man sich das Bike nicht leisten kann. Da er die F bei seiner schwedischen Frau angemeldet hat, kann er es nun ähnlich gut wie in Deutschland finanzieren. Er kommt wie der Schopperfahrer gerade von Nordkap, um in zwei Tagen wieder zu Hause zu sein. Sein noch nahezu neuer Reifen zeigt dann aber auch, das Schweden und Dänemark recht flache Länder mit gerade Straßenverläufen sind, denn sein Reifen nimmt so langsam eine eckige Form an, obwohl er gerademal 5.000 km runter hat.



Als die Fähre ankommt fahren wir dieses Mal tatsächlich erst nach der ersten Reihe aufs Schiff, wie wir etwas dem Regen entfliehen, indem wir aufs Oberdeck und in den gewärmten Innenraum während der Überfahrt gehen. Von der Fähre runter ist von F-Fahrer nicht mehr lange viel zu sehen, denn er tritt seine Maschine recht ordentlich und überholt schnell. Wir reihen uns derweil hinter dem Franzosen ein, wobei ich mich ständig erschrecke wenn eine Fehlzündung mal wieder einen lauten Knall erzeugt. Oll reicht es dann aber nach kürzester Zeit mit dem hinterhergetucker hinter den anderen Autos und so zieht er an mir vorbei, sodass wir ordentlich Boden gut machen.

Leider zerrt dies wohl auch an der Konzentration denn in einer Rechtskurve wird Mr. O plötzlich herausgetragen und ich sehe ihn schon an der Leitplanke hängen als er den Sandstreifen befährt. Zum Glück fängt er sich aber und kommt wieder auf die richtige Spur. Abgesehen von der unkonzentrierten Fahrweise hat er enormes Glück gehabt, dass niemand von vorne gekommen ist.

Mein Herz hat zumindest in diesem Moment wahnsinnig verrückt gespielt, denn ich kann ja auch nichts machen außer hinzuschauen, ob es gut geht. Ich beschließe deshalb wieder vor ihm zu fahren und wieder hinter den recht schnell fahrenden Wohnmobilen hinterherzueiern. Mr. O unternimmt keinen weiteren Versuch mehr zu überholen.

Der Regen nimmt leider immer weiter zu und so sehe ich unser Etappenziel Fauske bzw. den Campingplatz dahinter schwinden. Über uns hängt Kilometerweit nur noch die graue Suppe und von den massiven Bergen strömen die Wassermassen im Sturz, was trotz der schlechten Witterung ein beschauliches Ereignis ist. Nun wird es aber doch Zeit die Womos zu überholen und so sind wir dann wieder lange allein auf weiter Strecke im kühlen Nass unterwegs. Als wir aus der Kühle ins warme Tal kommen, beschlagen sofort die Spiegel, was ich immer wieder faszinierend finde.

Ich fluche mittlerweile schon, dass es uns wirklich hart erwischt hat heute, bis ich zwei Personen am linken Straßenrand stehen sehe. Im ersten Moment denke ich noch: "Oh, es gibt wohl auch welche, die noch ärmer dran sind, als wir!" Doch als ich dann das Auto und den aufgestellten Laser sehen, wird mir klar, dass hier trotz des Regengusses munter auf Beutefang gegangen wird, was auf der langen Gerade und bei diesem Wetter sicher erträglich ist.

So langsam wird mir immer kälter und als das Navi dann selbst zum nähesten in unseren Favoriten gespeicherten Campingplatz 50 km anzeigt, nehme ich kurzerhand die Einfahrt zum nächsten Campingplatz und frage nach der günstigsten Hütte. Die kleinsten sind aber schon weg, sodass nur noch große für 550 Nok zu haben sind. Wir beschließen also weiterzufahren und doch den 50 km entfernten Platz aufzusuchen.

Die Straße mit dem vielen Regen wird glücklicherweise durch die vielen Tunnel etwas erträglicher, denn in Ihnen ist die Straße zwar feucht, aber es regnet nicht und man hat das Gefühl, dass es dort drinnen auch wärmer ist. So erreichen wir dann doch endlich den gewünschten Campingplatz vor Fauske und mieten uns in eine kleine Hütte ein, welche wie auch schon in Sandsletta ein Doppelbett hat.





Wir sind heute gute 470 km gefahren und haben, da es schon 19 Uhr ist ordentlich Hunger. Ich schlage deshalb vor, dass wir in den COOP PRIX um die Ecke gehen, wo wie neben frischem Brot, Fruktnøtt, Chips noch Pølser, Käse, Trinkjoghurt und Salz kaufen. Wir stellen überrascht fest, dass der Coop sogar noch billiger war, als die Läden in der Lofotenhauptstadt Svolvaer.

Zurück in der Hütte fange ich an eine Zwiebel zu schneiden und die kurz anzubraten und mit der Barilla-Sauce zu vermengen. So ist wenigstens etwas Eigenkreation dabei und gibt der Sauce etwas frisches. Die Nudeln sind dann auch schnell gekocht, sodass wir endlich unsere leeren Mägen füllen können. Nach dem essen gehe ich kurz abwaschen und frage in der Rezeption nach den Nutzungsmöglichkeiten des W-Lan Netzes, welches uns der Mac angezeigt hat. Die Frau sagt mir aber, das das Netzt so schwach sein, dass es nur für einen Rechner ausreichen würde, was ich mal ne ziemlich weit hergeholte Ausrede finde, zumal wir zu Hause auch ab und an schlechtes Netz haben, aber dennoch beide Rechner online gehen können. Was soll's, dann ist es eben so, kann man da nur sagen.

Mr. O schaut noch etwas nach den nächsten möglichen Routen, wobei sich wohl erst morgen Abend Entscheidungsbedarf ankündigt, wenn wir näher an Trondheim (noch gute 800km) sind. dann werden wir auch sehen, ob wir die Atlantikküstenstraße mitnehmen. Die Trollstigen sind aber im Grunde schon so gut wie sicher, denn wir haben noch 7 Tage um in Oslo anzukommen. Mr. O zweifelt etwas an sich und seinen Fahrkünsten, wobei er zwischen Motorrad verkaufen und nie wieder fahren, eine GS oder Adventure kaufen und nächstes Jahr mit dem Autoreisezug nach Narbonne in Frankreich zu fahren jede Minute hin- und herschwankt.

Wir schauen mal wo das noch hinführt. Wichtig ist jetzt ersteinmal das er Vertrauen in seine Reifen und in die Rechtskurven bekommt bzw. wiedererlangt. Vielleicht können wir das ja morgen etwas üben, wenn er meine Spur hinterherfährt.

Nun was das dann auch gewesen von Tag der wenigsten Bilder und des bis jetzt schlechtesten Wetters, welches mich an unsere Fahrt letztes Jahr von Bergen nach Geilo erinnert, welche ebenso ins Wasserreich übergegangen ist.

13.8.09 15:21

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